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Roter FrontkÀmpferbund
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Der Rote FrontkĂ€mpferbund (RFB) – auch RotfrontkĂ€mpferbund – war der paramilitĂ€rischecite-ref-1[1] Wehrverband der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und wie alle WehrverbĂ€nde in der Weimarer Republik als Verein organisiert.cite-ref-2[2] Der RFB wurde 1924 gegrĂŒndet und war die Nachfolgeorganisation der Proletarischen Hundertschaften und des vom Spartakusbund begrĂŒndeten Roten Soldatenbunds aus Veteranen des Ersten Weltkriegs. Er verfĂŒgte mit der Roten Jungfront ĂŒber eine eigene Jugend- sowie mit dem Roten Frauen- und MĂ€dchenbund ĂŒber eine eigene Frauenabteilung. Unter dem Eindruck der von der KPD als Blutmai bezeichneten Mai-Unruhen in Berlin vom 1. bis 3. Mai 1929, wurde der RFB auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes und des Reichsvereinsgesetzes in Preußen als grĂ¶ĂŸtem Gliedstaat der Weimarer Republik verboten.

Contents

‱ GrĂŒndung
‱ Gruß
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Zur Vorgeschichte

Die FrontkÀmpferkultur nach dem Ersten Weltkrieg

Die Spannungen im Alltagsleben in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ergaben sich neben der Niederlage, dem Verhalten der SiegermĂ€chte sowie der politischen Zerrissenheit und Radikalisierung auch aus der großen Zahl (um die 5 Millionen) von meist demobilisierten Soldaten. In ihren Reihen entwickelte sich eine spezifische FrontkĂ€mpferkultur, die unabhĂ€ngig von der politischen Richtung der jeweiligen Gruppe oder Formation ĂŒber gleiche Rituale und ein bedingt gleiches SelbstverstĂ€ndnis verfĂŒgte.

Ihre mehr oder weniger erzwungene Einordnung fand schließlich zu einem großen Teil im vertrauten Terrain statt, das sich hĂ€ufig nur von einer unterschiedlichen politischen Vorstellung unterschied: In den nach 1924 sich entwickelnden ĂŒberwiegend großen zentralen FrontkĂ€mpferverbĂ€nden. Allein rund drei Millionen MĂ€nner waren im republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und ungefĂ€hr 400.000 im rechtsorientierten Traditionalistenbund Stahlhelm organisiert. Dazu kamen der Jungdeutsche Orden, viele kleine regionale Kampf- und Ordnergruppen, schwarze ReichswehrverbĂ€nde, die vielfach zerschlagene und verbotene SA und 50.000 – 100.000 Rote FrontkĂ€mpfer.

Zusammen mit einer großen Anzahl nach Sinn, Geborgenheit und „Heimat“ suchenden Jugendlichen ergab sich eine explosive Mischung.

Von den „Schwarzen Katzen“ zum Roten FrontkĂ€mpferbund

Die GrĂŒndung des Roten FrontkĂ€mpferbundes wird gelegentlich mit den blutigen Auseinandersetzungen um einen „Deutschen Tag“ des Stahlhelm in Halle in Verbindung gebracht. Hierbei handelt es sich jedoch um einen politischen Mythos. Die paramilitĂ€rische Formation der KPD verfĂŒgte ĂŒber eine Tradition, die sich aus dem kaiserlichen Heer und dessen Zusammenbruch 1918 erklĂ€rt. War sie doch gegrĂŒndet worden, um einerseits die ehemaligen Soldaten (FrontkĂ€mpfer) zu sammeln und ihnen eine politische Heimat zu geben und andererseits als Sammelbecken zur Realisierung einer Volksfront-Theorie unter FĂŒhrung der KPD.cite-ref-3[3]

UnabhĂ€ngig von den ĂŒberwiegend sozialdemokratisch gesinnten revolutionĂ€ren Soldaten und deren Versuchen, RĂ€te (Arbeiter- und Soldatenrat) zu etablieren, gab es bereits nach den Januarstreiks 1918 im Umfeld der Berliner Obleute eine Gruppe, die „Schwarze Katzen“ genannt wurde und versuchte, illegale Waffenlager anzulegen. Am 7. Oktober 1918 beschlossen der Spartakusbund und die Bremer Linksradikalen nach dem Vorbild der russischen Roten Armee und auf der theoretischen Grundlage von Lenins MilitĂ€rprogramm („Das MilitĂ€rprogramm der proletarischen Revolution“) illegale Kampfgruppen zu bilden und sich Waffen zu beschaffen. Als sich herausstellte, dass die Arbeiter- und SoldatenrĂ€te mehrheitlich sozialdemokratisch orientiert waren, grĂŒndete der Spartakusbund einen Roten Soldatenbund (RSB). Der RSB war in die meisten der folgenden KĂ€mpfe, die vom Dezember 1918 bis Mai 1919 dauerten, verwickelt. Trotz einer sogenannten „Selbstauflösung“ im September 1919 blieben regionale Formationen bestehen. In Hamburg waren das z. B. ein RevolutionĂ€rer Matrosenbund und ein Verband inaktiver Marinemannschaften. Dazu kamen ebenfalls regional organisierte OrdnerverbĂ€nde.cite-ref-4[4]

Nachdem im Juli/August 1920 der 2. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI) die Bildung illegaler Organisationen zur DurchfĂŒhrung systematischer UntergrundtĂ€tigkeit beschlossen hatte, begann die KPD gezielt mit dem Aufbau eines „Apparates“, u. a. des antimilitĂ€rischen Apparates (AM-Apparat). In der so genannten „Einheitsfrontpolitik“ unter FĂŒhrung der KPD, die das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) nach den gescheiterten Aufstandsversuchen in Mitteldeutschland (MĂ€rzkĂ€mpfe) und Hamburg (Hamburger Aufstand) im folgenden Jahr beschlossen hatte, stellten die so genannten Proletarischen Hundertschaften ein zentrales Element zur Machtergreifung dar. Als diese jedoch im Zuge des erneuten Aufstandsversuchs 1923 mitsamt der Partei vom 23. November 1923 bis 1. MĂ€rz 1924 verboten worden waren, war die FĂŒhrung der KPD und der KPdSU um – zumindest vorlĂ€ufige – LegalitĂ€t bemĂŒht. Offiziell wurde auf eine WeiterfĂŒhrung bzw. Erneuerung der WehrverbĂ€nde verzichtet, die Diskussion darum ging aber schon bald weiter. So wurde in den Lehren der deutschen Ereignisse des PrĂ€sidiums des EKKI vom Januar 1924 die Arbeit in den „Organen der Einheitsfront von unten“, zu denen besonders die bewaffneten Hundertschaften zĂ€hlten, als vordringlich hervorgehoben.cite-ref-schuster20-5-0[5] Trotzki und Radek brachten einen Entwurf ein, der im Wesentlichen eine Fortsetzung und Erweiterung der Ordnertruppen vorsah. Danach sollten die Hundertschaften auch auf der Straße „zur Verteidigung der Demonstrationen der streikenden Arbeiter gegen die Gewalttaten der faschistischen Diktatur“ eingesetzt werden.cite-ref-schuster20-5-1[5] Angenommen jedoch wurde die eher verschwommene Konzeption Sinowjews, hinter der sich die Vorstellung einer nicht nĂ€her definierten Roten Armee verbarg. In seinem Thesenentwurf heißt es ausdrĂŒcklich:

„Die KPD darf keinesfalls die Frage des bewaffneten Aufstandes und der Eroberung der Macht von der Tagesordnung absetzen [
] Mit aller HartnĂ€ckigkeit muß die Bewaffnung der Arbeiter, die technische Vorbereitung der entscheidenden KĂ€mpfe fortgesetzt werden. Rote Hundertschaften lassen sich nicht auf dem Papier finden, sondern in Wirklichkeit nur dann, wenn mit ihnen die ganze Arbeitermasse sympathisiert und sie unterstĂŒtzt. Zur Erreichung dieser UnterstĂŒtzung und dieser Sympathie ist es unerlĂ€ĂŸlich, sie in engstem Zusammenhang mit den TeilkĂ€mpfen des Proletariats zu entfalten.cite-ref-schuster20-5-2[5]“

Rund zwei Monate nach Aufhebung des KPD-Verbots waren sich auf dem IX. Parteitag der KPD (7.–10. April 1924) alle Fraktionen innerhalb der Partei ĂŒber das Motto der Einheitsfront von unten und der Schaffung entsprechender Organe grundsĂ€tzlich einig. Unterschiedlich wurde lediglich die Gewichtung der Aufgaben betont: Legten die zu dem Zeitpunkt in der Opposition stehenden Linken den Schwerpunkt auf Agitation und Propaganda, so wollten die anderen die Bewaffnung in den Vordergrund stellen. Beschlossen wurde die

„Schaffung von Organen zur FĂŒhrung dieser (Teil-) KĂ€mpfe. StĂ€ndige AktivitĂ€t in der Schaffung von Einheitsfrontorganen (BetriebsausschĂŒssen, Hundertschaften, KontrollausschĂŒssen, RĂ€ten), auch wenn die Kommunisten zunĂ€chst in ihnen noch um die FĂŒhrung ringen mĂŒssen. Dabei geschickte und schnelle VerdrĂ€ngung etwaiger gegnerischer FunktionĂ€re.“

Der Aufbau einer neuen „Schutztruppe“ gehörte zu den vorrangigen Aufgaben. Diese Truppe sollte in Konkurrenz zum republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zum Sammelbecken aller Linken unter der FĂŒhrung der KPD werden. ZusĂ€tzlich sollte Zersetzungsarbeit im Reichsbanner betrieben werden.

GrĂŒndung

Um die SpontaneitĂ€t und die UnabhĂ€ngigkeit des RFB von der Partei zu demonstrieren, wurde eigens ein Briefwechsel zwischen dem Bundesvorstand des RFB und der Zentrale der KPD produziert. Obwohl sich die Bundesleitung (BL) bereits am 22. August 1924 wegen organisatorischer Fragen mit je einem Schreiben an die Bezirksleitungen der KPD und an die bis dato kaum vorhandenen Bezirksleitungen des RFB gewandt hatte, schrieben die anfĂ€nglich eingesetzten Vorstandsmitglieder Seemann und Kakies am 17. September 1924 einen Brief an „die Zentrale der KPD“ mit der Bitte um Zusammenarbeit. War der erste vom 22. August im Indikativ gehalten, hatte der jetzige, fĂŒr die Propaganda nach außen, einen anderen Ton eingeschlagen:

„Werte Genossen und Kameraden! Wie Euch schon aus der Presse bekannt sein dĂŒrfte, hat sich im Reichsmaßstabe ein ‚Roter-FrontkĂ€mpfer-Bund‘ gebildet, ĂŒber dessen Ziele die beiliegenden Satzungen Aufschluß geben. Es ist uns ein BedĂŒrfnis, mit der proletarischen Partei in Verbindung zu treten, deren Ziel es ist, das Klassenbewußtsein zu fördern und die in allen ihren Handlungen vom Boden des Klassenkampfes ausgeht. Eines unserer Hauptziele ist die Verhinderung imperialistischer Kriege, deshalb können und wollen wir uns in keiner Weise mehr als Schildhalter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung hergeben, im Gegensatz zum ‚Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold‘, das in seinen Kundgebungen und Taten aktiv Stellung nimmt fĂŒr das Kapital, gegen die unterdrĂŒckten WerktĂ€tigen. SelbstverstĂ€ndlich halten wir es fĂŒr unsere Pflicht, die durch eine reformistische und kapitalistische FĂŒhrerschaft im Reichsbanner irregeleiteten Proletarier aufzuklĂ€ren, den FĂŒhrern des Reichsbanners dagegen sagen wir den schĂ€rfsten Kampf an. Den nationalistisch-faschistischen Organisationen gilt unser Kampf in gleichem Maße. Wir bitten Euch, Genossen und Kameraden, zu unserer Organisation Stellung zu nehmen und uns Euren Bescheid mitzuteilen. Insbesondere fragen wir hierdurch bei Euch an, ob Ihr gewillt seid, uns moralisch zu unterstĂŒtzen und in Eurer Presse unsere Publikationen usw. aufzunehmen. Wir erwarten baldmöglichst Euren Bescheid.“cite-ref-6[6]

Bereits auf den folgenden Tag ist die Antwort der Zentrale datiert, in der es u. a. heißt:

„Wir haben Euer Schreiben erhalten und teilen Euch mit, daß wir Euren Bestrebungen mit der grĂ¶ĂŸten Sympathie gegenĂŒberstehen. Wir sind gern bereit, Euch unsere Presse zur VerfĂŒgung zu stellen und hoffen mit Euch, daß es gelingen möge, die Proletarier aus dem reformistischen und kapitalistischen Einfluß zu lösen.“cite-ref-7[7]

Der RFB wurde am 18. Juli 1924 in Halle gegrĂŒndet.cite-ref-8[8] In seinem GrĂŒndungsaufruf wurde die Vereinigung gegen das „heuchlerische, kapitalistische, faschistische sogenannte ‚Frontsoldaten‘-Pack“ von Stahlhelm und SA betont.cite-ref-9[9] Danach begann der Aufbau der neuen Organisation planmĂ€ĂŸig in GroßthĂŒringen und Halle-Merseburg innerhalb eines Zeitraums propagandistischer Schwerpunktarbeit, in der „Antikriegswoche“ vom 31. Juli bis 4. August 1924. Am 28. August folgte Berlin und drei Tage spĂ€ter Braunschweig.

In Bremen wurde am 30. September 1924 eine erste Ortsgruppe gegrĂŒndet, von der es einen Monat spĂ€ter in der „Bremer Arbeiter Zeitung“ (AZ) hieß: „Auch im hiesigen Bezirk erfolgte spontan aus der Arbeiterschaft heraus die GrĂŒndung einer Ortsgruppe des RFB.“

Die zahlenmĂ€ĂŸige Entwicklung des RFB ist aufgrund der Erhebung des statistischen Datenmaterials bzw. der ProfilierungswĂŒnsche oder Hoffnungen regionaler FĂŒhrer lediglich als Tendenz zu werten. Am 23. September 1924 gibt der Bericht ĂŒber die GrĂŒndung des Roten FrontkĂ€mpfer-Bundes nach „den Berichten aus den Bezirken“ als „Stand der GrĂŒndungen bis zum 1. September“ folgende Auskunft:

‱ „Halle-Merseburg – 71 Organisationen ca. 2.500 Mitglieder.“
‱ „GroßthĂŒringen – Ortsgruppen in Arnstadt, Berka, Kamburg, Erfurt, Gisbershausen, Greusen, Heringen, Hildburghausen, Jena, Ingersleben, Martinrode, MĂŒhlhausen, Nordhausen, Pössneck, Rudolstadt, Saalfeld, Salza, Schnedt, Sonneberg, Weimar; Mitgliederzahl ca. 2.000. Dazu kommen 15 Ortsgruppen der Jugendorganisation, der Rote Jungsturm, mit ca. 2.000 Mitgliedern.“
‱ „Berlin-Brandenburg – Ortsgruppen bestehen in Berlin und Treppin; Mitgliedszahl noch nicht festzustellen, aber gering.“
‱ „Lausitz – Ortsgruppen in Kottbus, Finsterwalde, Niesky, Senftenberg und Ströbitz, Guben; Mitgliedsstand in Guben 150, in den anderen Ortsgruppen noch nicht festgestellt.“
‱ „Ostpreußen – 7 Ortsgruppen mit ca. 800 Mitgliedern.“
‱ „Ostsachsen – GrĂŒndung der Ortsgruppe Dresden gemeldet; weiter Nachrichten fehlen.“
‱ „Erzgebirge-Vogtland – meldet die Ortsgruppen Chemnitz, Plauen, Hertha mit ca. 600 Mitgliedern; Rohna und Rosswein; Mitgliedszahl nicht gemeldet.“
‱ „Niedersachsen – Ortsgruppen in Braunschweig, Hannover, Holzminden, Lauterberg und WolfenbĂŒttel; Mitgliedszahl nicht gemeldet.“
‱ „Mecklenburg – Ortsgruppen gegrĂŒndet; nĂ€here Mitteilungen fehlen noch.“
‱ „Pommern – Ortsgruppen sind gegrĂŒndet; NĂ€heres fehlt.“
‱ „Baden – Ortsgruppen in Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe; Mitgliedsbestand fehlt.“
‱ „Nord- und SĂŒdbayern sind GrĂŒndungen vorlĂ€ufig unmöglich.“
‱ „Folgende Bezirke haben GrĂŒndungen bis jetzt noch nicht gemeldet: Oberschlesien, Magdeburg-Anhalt, Wasserkante, Nordwest (GrĂŒndung erfolgt in dieser Woche), Ruhrgebiet, Niederrhein, Mittelrhein, Hessen-Waldeck, Hessen-Frankfurt, Rhein-Saar und WĂŒrttemberg. (aber auch in diesen Bezirken erfolgen die GrĂŒndungen in diesen Tagen).“cite-ref-10[10]

GegrĂŒndet wurde der RFB dort, wo die Proletarischen Hundertschaften am stĂ€rksten gewesen waren – in GroßthĂŒringen und Halle-Merseburg. Wie in Hamburg so musste die KPD-FĂŒhrung an vielen Orten Druck ausĂŒben, damit die regionalen WiderstĂ€nde ĂŒberwunden wurden. Die ersten Gruppen wurden in ihren GrĂŒndungen zwar durch die kommunistische Presse gefördert, konnten sich jedoch nicht auf Dauer etablieren. Der schwerfĂ€llige Aufbau der Organisation wurde von der DDR-Geschichtsschreibung im Wesentlichen der Fischer-Maslow-Zentrale angelastet,cite-ref-11[11] die spĂ€ter als „Ultralinke“ aus der KPD ausgeschlossen wurden. Jedoch galten die Mitglieder der provisorischen Bezirksleitung, Seemann und Kakies, nicht nur mit ihrer Aufgabe ĂŒberfordert, sie sollen sich darĂŒber hinaus auch an Geldern des Bundes bereichert haben. DarĂŒber hinaus existierten unterschiedlichste KonkurrenzĂ€ngste innerhalb der kommunistischen Organisationen. So befĂŒrchteten viele in einem zusĂ€tzlichen zentralen Bund eine Konkurrenz fĂŒr die Partei.cite-ref-12[12] DarĂŒber hinaus sahen Reste der militĂ€rischen Organisationen der Partei ebenso wie die verschiedenen Ordnerdienste (OD) ihre Positionen in Gefahr. Besonders letztere waren nicht selten Gegner der Zentralisierung und fĂŒrchteten um ihre UnabhĂ€ngigkeit oder verknĂŒpften andere Vorstellungen mit der Zukunft ihrer eigenen Gruppe.

Eine Weisung der Leitung des AntimilitĂ€rischer Apparats in der Parteizentrale zum Übertritt der Mitglieder des Ordnerdienstes in den RFB wurde nach einem Bericht des Reichskommissariats ebenso zögernd befolgt wie bei den Hundertschaften.cite-ref-13[13] Besonders dieser Personengruppe wurde eine „Überheblichkeit“ und „ein gewisses ÜberlegenheitsgefĂŒhl des ‚Soldaten‘ ĂŒber den ‚Zivilisten‘ in der Partei“ nachgesagt.cite-ref-14[14] Soldaten als Avantgarde der Revolution stellten auch auf Seiten der Linken keine Neuheit dar. War die deutsche Arbeiterschaft bereits in den Spartakusbriefen als die Elitetruppe bezeichnet worden,cite-ref-15[15] avancierten die Soldaten der Revolution nach den eigenen revolutionĂ€ren Erfahrungen besonders durch die Rote Armee Sowjet-Russlands zur Elite der Elite. Da „strenggenommen“ im Weimarer Staat „nur zwei politische KampfbĂŒnde“ existierten, „die man als ‚Parteiarmeen‘ bezeichnen könnte, die SA der Nationalsozialisten und der RFB der Kommunisten“cite-ref-16[16], liegt ein Vergleich nahe. Schuster zieht zwar den Schluss, dass „ein der SA vergleichbares Elitebewußtsein im RFB gar nicht erst aufkommen konnte“, hĂ€lt den Gedankengang jedoch, „zumindest fĂŒr die untere FunktionĂ€rsebene“, als „allzu naheliegend, als daß es nicht auch im RFB, im Verhalten und in den Äußerungen seiner Mitglieder zu finden“ gewesen wĂ€re.cite-ref-17[17]

Am 1. Februar 1925 ĂŒbernahm Ernst ThĂ€lmann die Leitung des RFB. Dieser entwickelte sich daraufhin unter FederfĂŒhrung von Willy Leow als zweiter Vorsitzender des Bundes zur paramilitĂ€risch organisierten BĂŒrgerkriegsarmee, die zwischen Agitation, militaristischen AufmĂ€rschen, Straßenkampf und kriegerischen Planspielen die „Rote Wehrinternationale“ aufbauen sollte.

Die Organisation des RFB

Formal war der RFB ein eingetragener Verein. Real war er streng hierarchisch gegliedert. Sein Aufbau begann von unten nach oben mit der Gruppe, die in der Regel aus 8 Mann und einem GruppenfĂŒhrer bestand. Vier Gruppen stellten einen Zug (inklusive ZugfĂŒhrer) und drei ZĂŒge stellten eine Kameradschaft dar. Je nach den regionalen Gegebenheiten ergaben mehrere Kameradschaften eine Abteilung und mehrere Abteilungen eine Ortsgruppe.

Mehrere Ortsgruppen schlossen sich zu einem Gau zusammen. Im Mai 1925 hatte die 2. Reichskonferenz beschlossen, anstelle der Bezeichnung „Bezirk“ den Begriff „Gau“ einzufĂŒhren.

JĂ€hrlich fand eine Reichskonferenz statt, auf der die Delegierten ĂŒber eine FĂŒlle von AntrĂ€gen entschieden. Die BundesfĂŒhrung wurde „durch Beschluß“ gewĂ€hlt. Sie war „ausfĂŒhrendes, bestimmendes und verantwortliches Organ des Bundes“. Die Leitung des RFB stimmte mit der der KPD hundertprozentig ĂŒberein.

Ebenfalls jĂ€hrlich fand ein Reichstreffen des RFB und der KPD mit MassenaufmĂ€rschen, Musikkapellen etc. als Propagandaplattform statt. Das Reichstreffen war Vorbild fĂŒr die regionalen „Roten FrontkĂ€mpfertage“, die unter der Kurzform „Rote Tage“ zur beliebtesten Agitationsform der Roten FrontkĂ€mpfer wurden.

Die Rote Marine

Als Auslöser der revolutionĂ€ren Erhebung im November 1918 in Kiel (Kieler Matrosenaufstand) erhielt die Marine als einziger Truppenteil durch eine eigene Sektion eine besondere Stellung innerhalb des RFB. Die als Rote Marine (RM) bezeichnete Gruppierung ĂŒbernahm jedoch nicht nur das Andenken an Taten, die als außergewöhnlich revolutionĂ€r empfunden wurden, sondern ebenfalls die Tradition der Kaiserlichen Marine als die einer privilegierten Truppe.

Eine erste Sektion der Roten Marine wurde am 9. Juni 1925 in einem Lokal in der Davidstraße fĂŒr den Raum Groß-Hamburg gegrĂŒndet. Es folgten Kiel, Königsberg, Bremen und LĂŒbeck.

Die Rote Marine, in Hamburg die eifrigsten Schalmeien-Musiker, stellte sich am stĂ€rksten dem Zentralismus entgegen und strebte nach EigenstĂ€ndigkeit. Jeder Versuch, eine eigene Kasse zu unterhalten, wurde ihr untersagt. Eigene Veranstaltungen durften nur mit Zustimmung der zustĂ€ndigen GaufĂŒhrung ausgerichtet werden. Mit Blick auf die revolutionĂ€re Tradition gebĂ€rdete sich die Rote Marine hĂ€ufig als radikalste Gruppe des RFB. Dies fĂŒhrte dazu, dass auch an Orten eine Rote Marine gegrĂŒndet werden sollte, die absolut keinerlei Verbindung zum Wasser hatten. Es wurde natĂŒrlich von der BundesfĂŒhrung (BF) untersagt – lediglich in HafenstĂ€dten sollten Dependancen entstehen.

Problemfeld Jugend – vom Roten Jungsturm zur Roten Jungfront (RJ)

Seit den ersten GrĂŒndungen von RFB-Ortsgruppen bestand in diesen ein besonderes VerhĂ€ltnis zwischen den ehemaligen Soldaten des Weltkriegs – der eigentlichen Zielgruppe – und der Jugend. So waren im Widerspruch zum Wunsch nach Sammlung kriegserfahrener KĂ€mpfer die GrĂŒndungsveranstaltungen meistens von Jugendlichen dominiert.

Im Widerspruch dazu wurde die Jugendorganisation in den ersten Satzungen und Richtlinien des RFB nicht einmal erwĂ€hnt. Auf der 1. Reichskonferenz war der Rote Jungsturm (spĂ€ter Rote Jungfront) „einer der HauptberatungsgegenstĂ€nde“. Als Unterabteilung des RFB sollte der RJS in „gewissem Umfang“ eine „selbstĂ€ndige Organisation“ fĂŒr die Altersgruppe der 16- bis 21-JĂ€hrigen (ab November 1928 bis 23-JĂ€hrigen) sein, und in alle RFB-Leitungen sollte ein RJS-Mitglied und in alle RJS-Leitungen ein RFB-Mitglied gewĂ€hlt werden. Politische Aktionen bedurften allerdings der Genehmigung der zustĂ€ndigen RFB-Leitung. In den Ortsgruppen waren die RFB-Kameraden als „Lehrer“ prĂ€sent. Ab 1927 konnte die RJF anlĂ€sslich der Reichskonferenz eine Vorkonferenz abhalten.

Die Zunahme der Agitation machte eine verstĂ€rkte Schulung notwendig. Von besonderer Bedeutung war die zentrale Ausbildung im Sinn der Partei. Zwei ursprĂŒnglich zu Ferienzwecken angedachte Sommerkamps wurden zu „ReichsfĂŒhrerlagern“ umfunktioniert. Das erste fand vom 3. bis 24. Juli 1927 im thĂŒringischen Tambach-Dietharz und das zweite vom 15. Juli bis 12. August in Einsiedel (Erzgebirge) statt. Das Programm bestand aus militĂ€rischem Drill (Morgenappell, Planspiele, WehrsportĂŒbungen usw.) gepaart mit einem Lagerleben, wie es bei Pfadfindern ĂŒblich ist.

Die grĂ¶ĂŸere RadikalitĂ€t war zweifellos in der Jugendorganisation vorhanden, aber vielfach von einem unkontrollierten Aktionismus geprĂ€gt, der immer wieder neben den Schwierigkeiten mit den staatlichen Organen auch Probleme mit der Mutterorganisation brachte. Auf der 2. Reichskonferenz wurde deutlich, dass der jugendliche Überschwang sogar zu Übergriffen der RJ auf den RFB gefĂŒhrt hatte.

WĂ€hrend der gesamten Zeit des Bestehens des RFB gelang es der FĂŒhrung nicht, eine fruchtbare Jugendarbeit zu leisten. Ende 1925 gehörten 20 Prozent der RFB-Mitglieder zur RJ. WĂ€hrend die Mitgliederzahlen des Gesamtverbandes stetig anstiegen, stagnierten die der RJ. Auf der 5. Reichskonferenz des RFB im MĂ€rz 1928 wurde die EinfĂŒhrung einer eigenen Wehrsportgruppe der RJ fĂŒr alle Mitglieder im Alter von 16 bis 28 Jahren beschlossen.

Der „Rote Frauen und MĂ€dchenbund“ (RFMB)

Eine besondere Rolle spielten die Frauen innerhalb des MĂ€nnerbundes. Durften in die RJ anfĂ€nglich auch „MĂ€dels“ aufgenommen werden, wurde 1925 trotz erheblicher WiderstĂ€nde vieler mĂ€nnerbĂŒndischer FrontkĂ€mpfer kurzzeitig eine Rote Front Frauenliga (RFFL) und danach der Rote Frauen und MĂ€dchenbund (RFMB) gegrĂŒndet. Dessen untergeordnete Rolle in der Agitation wurde lediglich nach dem Verbot des RFB im Mai 1929 kurzzeitig durchbrochen, als die separate nicht verbotene Organisation den MĂ€nnern Platz zu demonstrativen Auftritten bot.

Agitations- und Propagandakultur des RFB – Berliner Vorgaben und norddeutsche Praxis

Die Agitationskultur des RFB wurde durch ArbeitsplĂ€ne und Rundschreiben zentral von der BundesfĂŒhrung gesteuert. Wichtiges praktisches Beispiel und Vorbild fĂŒr die regionalen Treffen war das von ihr jĂ€hrlich ĂŒber Pfingsten ausgerichtete Reichstreffen.

Die ersten Selbstdarstellungen des RFB im Gau Wasserkante waren GrĂŒndungen der Ortsgruppen, Abteilungen oder Kameradschaften, die in Hamburg anfĂ€nglich eher bescheiden und selten öffentlich in den Parteilokalen der KPD stattfanden. GrĂ¶ĂŸere Aktionen waren meistens Gegenveranstaltungen – Ziel war in der Regel der Hauptgegner: die Sozialdemokratie bzw. das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

Die anfĂ€nglich im Zeichen der Mutterpartei stehende PrĂ€sentation der Roten FrontkĂ€mpfer gewann neben der notwendigen ParteiunterstĂŒtzung einen zunehmend eigenstĂ€ndigen Charakter. Nachdem das erste Reichstreffen mit einer Fahnenweihe verbunden worden war, folgte man dem Beispiel in der Provinz bei den Gruppen-GrĂŒndungen. Die Agitation verlief nach dem Prinzip: von den grĂ¶ĂŸeren zu den kleineren Wohneinheiten. Um besonders bei den Gau- und Untergautreffen eindrucksvolle AufmĂ€rsche zustande zu bekommen, wurde die Anreise von der BundesfĂŒhrung zentral geplant. Die Fahnenweihen und Roten (FrontkĂ€mpfer-)Tage wurden vor Ort begeistert aufgenommen, nahmen aber bereits nach kurzer Zeit solche Ausmaße an, dass die Bundesleitung im Oktober 1925 ultimativ eine sofortige Beendigung der planlosen DurchfĂŒhrung forderte und eine zentralistische Planung anordnete.

Das Misstrauen der FĂŒhrung gegenĂŒber der Provinz und der Drang einiger Ortsgruppen nach mehr EigenstĂ€ndigkeit offenbart jedoch, dass es nicht nur agitatorische GrĂŒnde waren, die zu diesem Schritt fĂŒhrten.

Herausragende Elemente wurden zusĂ€tzlich zum propagandistischen Umzug der An- und Abmarsch bzw. die Abholung der besonderen GĂ€ste vom Bahnhof. In der zweiten Phase der Agitation wurde der An- und Abmarsch perfektioniert. Beliebt – besonders von der Roten Marine –, wurde die Anreise auf dem Wasser. Zum Roten Tag in Lauenburg fuhren z. B. rund 2000 Hamburger Kommunisten mit drei Dampfern und einer Schute.

In die gleiche Phase fiel auch die Ausdehnung von Veranstaltung auf zwei Tage, die besonders fĂŒr die Roten Tage und teilweise auch fĂŒr die Fahnenweihen zur Regel wurde. Die Ausweitung der Agitationstage fĂŒhrte natĂŒrlich auch zu einer Erweiterung der Veranstaltungselemente. Zu einem der prĂ€genden Rituale wurde das sonntĂ€gliche Wecken zwischen 6.00 und 8.00 Uhr morgens, das insbesondere bei den grĂ¶ĂŸeren Veranstaltungen seitdem einen festen Bestandteil bildete.

Hinzu kam der Umzug zu den „gefallenen Kameraden“ mit eigenen Veranstaltungselementen. Seit dem Herbst 1925 wurden die UmzĂŒge in der dunkleren Jahreszeit gern mit Fackeln begangen und es fanden sogar spezielle FackelmĂ€rsche statt.

„Die roten FrontkĂ€mpfer haben jetzt am Koppel, dort wo das MilitĂ€r die SĂ€beltasche hat, eine Spazierstocktasche, so daß der KrĂŒckstock jetzt wie ein SchleppsĂ€bel getragen wird.“cite-ref-18[18]

Die wichtigsten Bestandteile in der Propagandaarbeit waren: Marsch in Reihen, Begleitung und Transport durch möglichst geschmĂŒckte Radfahrer und Lastkraftwagen.

Auch die Veranstaltungen wurden reichlich geschmĂŒckt mit roten Fahnen und Wimpeln, EichenblĂ€ttern und SpruchbĂ€ndern. In den Agitationslokalen wurden Leninecken eingerichtet und Abzeichen, Marken, Zeitung, Zeitschriften und Fotos – meistens von den Musikkapellen – verkauft.

Die Ausweitung der Agitationskultur brachte einen wahren Polit-Tourismus zu Tage. Die grĂ¶ĂŸte Veranstaltung in diesem Kontext war das Reichstreffen in Berlin, das ab dem 2. seiner Art zur mĂ€chtigsten Propagandashow von Partei und Bund geworden war – allein aus Hamburg waren „ca. 2.000 Kameraden“ in „28 Autos“ unterwegs.

Die verschiedenen Treffen der Organisation entwickelten sich zunehmend zu einem Handelsereignis. Rechtzeitig vor dem II. Reichstreffen, hatte die Bundesleitung den einzelnen Ortsgruppen im Mai 1926 untersagt, „mit ihren Photos, Ansichtspostkarten und sonstigen lokalen Eigenheiten Handel“ zu treiben, da bei „der IntensitĂ€t vieler Ortsgruppen auf diesem Gebiet“ zu befĂŒrchten sei, „daß aus dem Reichstreffen ein Jahrmarkt zur Finanzierung der Ortsgruppenkasse“ wĂŒrde. Der Handel auf dem Reichstreffen sollte ausschließlich von der Bundesleitung organisiert werden.cite-ref-19[19] Auskunft ĂŒber den Umfang an 'HandelsgĂŒtern' geben die Anzeigen im Programm zum Treffen. Außer fĂŒr die ĂŒblichen RFB-Utensilien wie Musikinstrumente, Reichstreffenpostkarte im Zweifarbendruck, Fahnen oder Banner wurden von der Warenvertriebsstelle des RFB GEBAGO in der Berliner Prinzenstraße 74 Dekorationsartikel, neuartige Runen, Festabzeichen, Papiergirlanden, Papierlaternen, PapierfĂ€hnchen, MĂŒtzenschilder und StocknĂ€gel, Broschen und Nadeln mit Lenin- und Frunsebildern, FahnennĂ€gel, Fahnenschleifen und Kranzschleifen angeboten. Im Programm boten Werbeanzeigen darĂŒber hinaus Rotfeuer (Kilogramm 1,20 Mark), Feuerwerkskörpern, Fackeln jeder Art „fĂŒr UmzĂŒge zu Engrospreisen“ und auf „Wunsch Anfertigung von Sowjetsternen und Abzeichen, sowie RFB und KJI“ an (S. 12). Die Metallwarenfabrik Hermann Aurich (Dresden) pries sich als „Alleiniger Hersteller des ges.gesch. Bundesabzeichen des ROTEN FrontkĂ€mpfer-Bundes“ und bot „Festabzeichen, Plaketten in Emaille und geprĂ€gter AusfĂŒhrung“ in Massenherstellung an.cite-ref-20[20]

WĂ€hrend auf der einen Seite die Schulungen ausgebaut, die Konferenzen hĂ€ufiger, die Landpropaganda – wenn auch ungenĂŒgend – gesteuerter und die Bundesfeiern zentralistischer wurden, begann sich 1927 neben dem offiziellen Agitationskalender zunehmend auch eine Art Privatisierung der Festkultur in den unteren Ebenen zu etablierten. Nach z. B. selbst organisierten Konzerten im Januar folgten ab Mai zahlreiche „Proletarische“ oder unbetitelte „Unterhaltungsabende“, Kameradschaftstreffen oder „Arbeiterfeste“, gelegentlich ergĂ€nzt durch Sonnenwendfeiern (HVZ v. 25. Juni), Gartenfeste (HVZ v. 20. August) und spĂ€ter Stiftungsfeste. Die Sonnenwendfeiern wurden von der BundesfĂŒhrung aufgegriffen. Vorgaben bestimmten nun, wie diese auszusehen hatten und gaben vorgefertigte Feuerreden zum Gebrauch an die Hand der FrontkĂ€mpfer.

Seit August 1925 wurde darauf geachtet, dass eine Spielmannschaft am Ort der Veranstaltungsort war. Nach Trommler- und Pfeiferkorps, grĂŒndeten sich Blasmusik- und spĂ€ter Schalmeienorchester. Besonders bei den zunehmend zu Massenveranstaltungen ausgebauten Treffen wurde daher eine reichseinheitliche Spielweise notwendig. SpĂ€testens 1927 wurde eine eigene Reichsspielleitung eingesetzt. Der RFB gab nach anfĂ€nglichen WiderstĂ€nden aus den Reihen der Partei eigene LiederbĂŒcher und Notenhefte heraus und in seinem Umfeld begann der Siegeszug der Agitproptruppen. Die „Roten Raketen“ aus Berlin (spĂ€ter „Sturmtrupp Alarm“) beispielsweise tourten als Werbetruppe des RFB mit einem alten Auto durch das Land. Die Frauen im RFMB entwickelten ein eigenes, wenn auch bescheidenes Kulturleben. 1931 wurde ein eigener Spielmannszug und die Frauenagitproptruppe Rosa Luxemburg gebildet.

Je aggressiver die Zeit wurde und je mehr Demonstrations- und Versammlungsverbote ausgesprochen wurden, desto mehr Bedeutung kam den Kapellen zu. Platzkonzerte waren problemloser zu organisieren und ersetzten immer hÀufiger die politische Propaganda.

ThĂ€lmann und Leow maßen dabei den militĂ€risch geprĂ€gten Formen und den symboltrĂ€chtigen Handlungen eine große Bedeutung zu. Sie hatten besonders auf die einheitliche Uniformierung und Fahnenweihen gedrĂ€ngt. Zu den Fahnenweihen gab es verschiedene Eidesformeln, die nach einem festgeschriebenen Prozedere geleistet wurden.

Die beiden Agitationselemente – der Schwur und die Symbolik des Internationalismus – wurden ebenfalls fĂŒr die Hauptveranstaltung formal genutzt. Auf der TribĂŒne im Berliner Schillerpark beim III. Reichstreffen 1927, die links und rechts von Fahnenblöcken flankiert war, befand sich neben der BundesfĂŒhrung erstmals eine große Anzahl auslĂ€ndischer GĂ€ste aus der Sowjetunion, Frankreich, der Tschechoslowakei, Österreich, der Schweiz, DĂ€nemark und Holland.cite-ref-21[21] Die zweite VerĂ€nderung war der gemeinsam feierlich geleistete Schwur der Roten FrontkĂ€mpfer:

„Ich gelobe: Niemals zu vergessen, daß der Weltimperialismus den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereitet. Niemals zu vergessen, daß das Schicksal der Arbeiterklasse der ganzen Welt unlöslich verbunden ist mit der Sowjetunion. Niemals zu vergessen die Erfahrungen und die Leiden der Arbeiterklasse im imperialistischen Weltkrieg, den 4. August 1914 und den Verrat des Reformismus. Stets und immer meine revolutionĂ€re Pflicht gegenĂŒber der Arbeiterklasse und dem Sozialismus zu erfĂŒllen; [Ich gelobe:] Stets und immer ein Soldat der Revolution zu bleiben. Stets und immer in allen Massenorganisationen, in Gewerkschaft und Betrieb ein Pionier des unversöhnlichen Klassenkampfes zu sein. An der Front und in der Armee des Imperialismus [nur] fĂŒr die Revolution zu wirken; den revolutionĂ€ren Kampf fĂŒr den Sturz der Klassenherrschaft der deutschen Bourgeoisie zu fĂŒhren. Die russische und chinesische Revolution mit allen Mitteln zu verteidigen; Ich gelobe: Stets und immer – fĂŒr die Sowjetunion und die siegreiche Weltrevolution zu kĂ€mpfen.“

UngefĂ€hr seit der Mitte des Jahres 1927 befand sich das Kampfgelöbnis der Roten FrontkĂ€mpfer in verkĂŒrzter Form auch im Mitgliedsbuch des RFB. Es war anstelle von Liebknechts „Sie beugen uns nicht“ auf die vordere innere Umschlagseite platziert worden.cite-ref-22[22] Eine zusĂ€tzlich erweiterte Form des Kampfgelöbnisses wurde 1928 in die BroschĂŒre der Richtlinien des RFB beschlossen auf der 5. Reichskonferenz aufgenommen. WĂ€hrend dort von „Reformisten“ statt „des Reformismus“ gesprochen wird, folgt anschließend:

„Niemals zu vergessen, – dass die Bourgeoisie u. ihre Lakaien mit allen Mitteln bestrebt sind, die Rote Front zu zerschlagen. Stets und immer – meine revolutionĂ€re Pflicht gegenĂŒber der Arbeiterklasse und dem Sozialismus zu erfĂŒllen.“cite-ref-23[23]

Im Zuge der Einheitsfront von unten und der verstĂ€rkten Militarisierung kamen ab 1927 Generalappell und Vorbeimarsch an den FĂŒhrern in den zunehmend bevorzugten Massenveranstaltungen dazu.

Agitationskalender – Terminkalender Gau Wasserkante 1928 (Rekonstruktion)

‱ 13.–28. Januar – Lenin-Liebknecht-Luxemburg (LLL)-Feiern (div.)
‱ 28. Januar – 4. Gaukonferenz des RFMB (Höffler, Grohnenmarkt 41)
‱ 28./29. Januar – 5. Gaukonferenz des RFB
‱ 24. Februar – Zehnjahres-Feier der Roten Armee (Sagebiel)
‱ 12.–18. MĂ€rz – MĂ€rzaufgebot der RJ (div. Kundgebungen)
‱ 23. MĂ€rz – Internationales Meeting (Sagebiel)
‱ 23.–25. MĂ€rz – 5. Reichskonferenz in Hamburg bzw. dem preußischen Bramfeld
‱ 25. MĂ€rz – Generalappell des RFB a.d. Dulsberg-GelĂ€nde
‱ 27. MĂ€rz – Reichserwerbslosentag
‱ 15. April – Untergautreffen in Harburg, Uelzen, Flensburg, Pinneberg, Eutin, LĂŒneburg und Tönning
‱ 22. April – RJ-Treffen in Geesthacht
‱ 1. Mai – Mai-Demonstration
‱ 26.–28. Mai – IV. Reichstreffen in Berlin
‱ 13. Juni – Kranzniederlegung a.d. Ohlsdorfer Friedhof
‱ 1.–10. August – Antikriegswoche
‱ 18. August – Nordwestdeutsches Treffen in Bremen
‱ 18./19. August – 1. Rotes Frauentreffen in NeumĂŒnster
‱ 25./26. August – Untergautreffen in Elmshorn
‱ 30. September – Roter Tag in Buxtehude
‱ 5. Oktober – Reichpietsch-Cöbes-Gedenkfreier der RM (Wulf, Vaterland)
‱ 20./21. Oktober – Gautreffen der RJ in Kiel
‱ 21.–23. Oktober – Oktoberkundgebungen
‱ 7.–18. November – 11. Jahrestag der proletarischen Diktatur (div. Revolutionsfeiern)
‱ 4. Dezember – 5. FĂŒhrerkonferenz des RFB in Berlin
‱ 21. Dezember – Zehn Jahre Kommunistische Partei Deutschlands

Mit dem Jahresprogramm 1927 legte der RFB erstmals einen systematisch durchstrukturierten Agitationsplan vor. Neben den Hauptveranstaltungen des Bundes, der Reichskonferenz (5./6. MĂ€rz) und dem Reichstreffen waren an ebenfalls zentralen Ereignissen einerseits das Reichsferienlager der RJ (1.–21. Juli) und die ReichsfĂŒhrerschule des RFB fĂŒr Ende August, andererseits die folgenden ĂŒberregionalen Treffen vorgesehen:

‱ 5./6. MĂ€rz – Westdeutsches Treffen m. Reichskonferenz in DĂŒsseldorf,
‱ 27. MĂ€rz – Mitteldeutsches Treffen in Magdeburg,
‱ 3. April – SĂŒddeutsches Treffen in Stuttgart,
‱ 24. Juli – Norddeutsches Treffen in Hamburg,
‱ 21. August – SĂ€chsisches Treffen in Dresden und
‱ 4. September – Reichsmarinetag in Stettin.

In den bereits im Herbst 1926 von der BundesfĂŒhrung vorgelegten Richtlinien fĂŒr die Sommerarbeit der Roten Jungfront war angeordnet worden, dass im Sommer 1927 weniger AufmĂ€rsche und Rote Tage durchgefĂŒhrt werden sollten, da oft „die Beteiligung an den Treffen zu wĂŒnschen ĂŒbrig“ ließe.cite-ref-24[24] Als Ursache wurde die Einförmigkeit des Programms beim Ablauf der Roten Tage („abends Empfang, morgens Wecken, mittags Platzkonzert, nachmittags Demonstration und dann Abmarsch“) angesehen, zu deren Überwindung einige Änderungen empfohlen wurden. Als „das wesentlichste, was unsere AufmĂ€rsche von denen anderer Organisationen, auch des KJVD, unterscheidet“, wurde an erster Stelle „unser einheitliches straffes Auftreten“ genannt. Dieser Eindruck mĂŒsse durch gleiche Kleidung, gleichen Schritt sowie gutes Einhalten der Gruppen- und ZugabstĂ€nde noch verstĂ€rkt werden. So verĂ€nderte sich der agitatorische Charakter des RFB mit der RĂŒckkehr zur strikten Einheitsfront von unten visuell und organisatorisch. Neben der hĂ€ufigeren Betonung der Disziplin wurde besonders die Ausbildung des RFB als Kampftruppe mit militĂ€rischem Zeremoniell verstĂ€rkt. „Deshalb ist es gut, wenn vor jedem Aufmarsch ein Appell, vor jedem grösseren Aufmarsch und jeder grösseren Kampagne ein Generalappell angesetzt wird [
] Solche Appelle dĂŒrfen nicht zu einer Spielerei werden, sondern mĂŒssen ein ernstes GeprĂ€ge haben.“cite-ref-25[25]

Die BundesfĂŒhrung empfahl den Gauen und Ortsgruppen, dem Wunsch der Jungfront, „lieber auf Lastautos als mit der Bahn“ zu fahren, stattzugeben, wenn „es finanziell möglich und die Entfernung nicht zu weit ist“.cite-ref-26[26]

Die zweite Anordnung zur Propaganda bezog sich auf die Einladung von Ortsgruppen und Abteilungen anderer Organisationen (genannt wurden explizit: Reichsbanner, Arbeiter-Sportler, Radfahrer, RFMB,cite-ref-27[27] Internationaler Bund, Jungspartakus, ArbeiterschĂŒtzenbund, ArbeitersĂ€nger) einerseits und Betriebsdelegationen von Großbetrieben andererseits. An dieser Stelle wurde eine Erkenntnis des ZK der KPD (nicht nur) vom letzten Reichstreffen genutzt, die auch die Diskussion um die seinerzeitige 'Reichsbanner-Delegation' in ihrer FragwĂŒrdigkeit neu zur Sprache brachte:

Die RĂŒckkehr zur Politik einer strikten Einheitsfront von unten im FrĂŒhjahr 1927 war kein wirklicher Einschnitt, sie setzte nur konsequent das fort, was bereits seit 1926 mit der zunehmenden Militarisierung des Bundes begonnen hatte. Nun wurde allerdings auch in der Praxis die Verlagerung des Schwergewichts auf Übungen des Wehrsports, des Kommandoreglements, militĂ€rischen Planspielen und Großveranstaltungen mit militĂ€rischem GeprĂ€ge deutliche, die zum Beitritt einer Internationalen Roten Armee unter FĂŒhrung der Sowjetunion fĂŒhren sollte.cite-ref-28[28] Allerdings zeigt sich in der Provinz des Gaues Wasserkante, dass dort schon vorher eine Stagnation zu verzeichnen war, wobei nicht deutlich wird, ob diese aus einem mangelnden Interesse der Mitglieder, internen ideologischen oder persönlichen Kontroversen zu erklĂ€ren ist.

Auf einer FĂŒhrersitzung des RFB Anfang Dezember 1927 in Hamburg war ein Verbot ĂŒber Anschaffungen und Neubildungen von Musikgruppen und eine Reduzierung der Roten Tage bekannt gegeben worden.

„In Zukunft sei keine Strassenpolitik und Demonstrationspolitik mehr zu betreiben, sondern es sei mehr praktische Arbeit zu leisten.“cite-ref-29[29]

Der Grund sei, dass der RFB „in eine Wehrorganisation umgewandelt werden“ sollte, die als „straff disziplinierte Kampforganisation in der Hand der K.P. gegen den Imperialismus, die Faschisten und die Sozialdemokraten“ kĂ€mpfen mĂŒsste. „Die Roten FrontkĂ€mpfer Österreichs, der Schweiz, Frankreichs, Belgiens, Englands und Deutschlands wĂŒrden eine Armee bilden.“cite-ref-30[30]

Der Veranstaltungskalender der HVZ gibt Indizien fĂŒr mögliche WiderstĂ€nde in den Reihen des RFB in Form von Aufforderungen zu Instrumentenabgabe Einzelner bis hin zu AusschlĂŒssen „wegen organisationsschĂ€digendem Verhalten“.

Ab Dezember 1927 baute der RFB mit Hilfe der KPD und der Roten Hilfe einen Photodienst auf.cite-ref-31[31] WerbebĂŒros mit Leninecken und „Haus- und Hofpropaganda“ bereicherten ab 1928 die Agitation des RFB.cite-ref-32[32] „Eine Achtergruppe mit Hornist auf dem Hof – Signal – kurze Ansprache – die Kameraden gehen von TĂŒr zu TĂŒr – verkaufen und werben – laden zu unseren Veranstaltungen ein.“cite-ref-33[33]

Statt Musikinstrumenten und eigener Rede kamen zunehmend auch Grammophone mit Schellackplatten zum Einsatz, mit denen zum Beispiel das Spiel von Schalmeienkapellen und Reden kommunistischer Politiker verbreitet wurden.

Die agitatorische VerĂ€nderungen – neben einer begleitenden grĂ¶ĂŸeren AggressivitĂ€t der Roten FrontkĂ€mpfer – in erster Linie eine VerstĂ€rkung der militĂ€rischen Formen und einer stĂ€rkeren Betonung des internationalen Charakters der Bewegung. Bei der 5. Reichskonferenz beispielsweise, die in Hamburg stattfand – allerdings aufgrund eines Verbots durch die Hansestadt ĂŒberwiegend im schleswig-holsteinischen Bramfeld ausgerichtet wurde, wurde der Generalappell als „in seiner Art etwas vollstĂ€ndig Neues“ exerziert. Ihm kam durch den zusĂ€tzlichen Vorbeimarsch der Truppe an den FĂŒhrern nahezu staatspolitische Bedeutung zu. Das ĂŒbliche Treffen bei Sagebiel hieß nun „Internationales Meeting“.

Der gezielte Weg zur Massenveranstaltung war aber bereits in vollem Gange. Das letzte große Treffen des RFB, das Mitteldeutsche Treffen am 18. und 19. August 1928 in Leipzig gibt das letzte Stadium der Agitationskultur des RFB am deutlichsten wieder:

‱ 6–8 Uhr – Wecken durch Kapellen und SpielmannszĂŒge innerhalb der Abteilungsbereiche.
‱ 10.30 – Antreten auf allen Abteilungs-GestellplĂ€tzen mit den zugeteilten Gauen und Untergauen
‱ 11.30 – Abmarsch von den HauptgestellplĂ€tzen nach dem Augustusplatz
‱ 12.30 – Auf dem Augustusplatz:

‱ Massengesang des ArbeitersĂ€ngerbundes auf der Museumstreppe und am Neuen Theater
‱ Ansprachen von 10 Rednern der BundesfĂŒhrung u. aller teilnehmenden Gaue.

‱ 13.30 – Abmarsch durch den Osten nach dem Stadion des Vfl. SĂŒdost. Oststr. (Stötteritz).
‱ 15.30 – Einmarsch der Fahnendelegation; Massenspiel der gesamten TambourzĂŒge.
‱ 16.30 – Ansprachen der BundesfĂŒhrung des RFB vermittels Lautsprecher
‱ 17.00 – VorfĂŒhrung von WehrsportĂŒbungen durch den Verein fĂŒr LeibesĂŒbungen SĂŒdost.
‱ 17.30 – Massenszenen und Sprechchor der Agitpropabteilung der KPD
‱ 18.00 – Konzert, ausgefĂŒhrt v.d. Schalmeien- und Blaskapellen des RFB.305

Als zusĂ€tzliche Attraktion wurde von einem Flugzeug, welches eine Leipziger Kameradschaft fĂŒr 75,- Mk. gemietet hatte, ein roter Sowjetstern abgeworfen.cite-ref-34[34] Der „Rote Flieger“ sollte die technologische StĂ€rke der kommunistischen Bewegung betonen und gleichzeitig den Übergang zum Sozialismus preisen.cite-ref-35[35]

Vom Wehrsport zur „proletarischen Wehrinternationale“

In seinem politischen Referat auf der 2. Reichskonferenz im Mai 1925 betonte ThĂ€lmann den Beginn der Phase der sogenannten „relativen Stabilisierung des Kapitalismus“, die er mit einem Bild aus der Natur umschrieb: „Wir stehen zwischen zwei Wellen der Revolution in einer Zeit der Ebbe und wissen nicht, wann die Flut kommt.“cite-ref-36[36] Die Vorbereitung auf die zweite Welle sollte zur Schulung der Kameraden und Festigung der Organisation genutzt werden.cite-ref-37[37]

Bereits in der ersten Phase war die Sozialdemokratie ein Hauptgegner. Agitationspartner waren neben der „Arbeiterpartei“ (gemeint war die KPD) die „proletarischen KriegsbeschĂ€digtenorganisationen“ sowie der Internationale Bund der KriegsbeschĂ€digten und der Reichsbund.

Im Monat zuvor hatte die ThĂ€lmann/Leow-BundesfĂŒhrung die Gaue mit grundsĂ€tzlichen Papieren versorgt. Darunter war der „Entwurf eines Kommando-Reglements“. Dabei handelte es sich zu 99 % um eine Übernahme des alten kaiserlichen Exerzierreglements mit einer Ausnahme: Dem Gruß. (Faust hoch – „Rot Front“) Das Kommando-Reglement wird heute – wenn es ĂŒberhaupt erwĂ€hnt wird – als Beleg fĂŒr den reinen Propaganda-Charakter des RFB angesehen (Mallmann). Nicht nur ThĂ€lmanns EinschĂ€tzung auf der 2. Reichskonferenz, sondern auch ein Blick auf die Praxis und die spĂ€tere Entwicklung macht eine Revidierung dieser Interpretation nötig.

Aus dem Programm zum 2. Reichstreffen im Mai 1926:

„Wir leben, wir kĂ€mpfen und wir sterben fĂŒr die Fahne Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Aber alle Versuche der Feinde des Proletariats, die revolutionĂ€re Entwicklung der Arbeiterklasse zu hemmen und die dauernd breiter werdende rote Front zu sprengen, werden scheitern und abprallen an der Geschlossenheit der proletarischen Reihen. Mit den proletarischen FĂ€usten wird die Arbeiterschaft Berlins und des Reiches die kapitalistische Welt zerschmettern und die wahrhaft rote Republik schmieden. Dann wird wieder ĂŒber der Reichshauptstadt die rote Fahne den Sieg des deutschen Proletariats verkĂŒnden!“cite-ref-38[38]

Das II. Reichstreffen vom 23./24. Mai 1926 brachte einen von allen Seiten beachteten Erfolg. In der EinschĂ€tzung des Reichstreffens als „wohl gelungenes militĂ€risches Schauspiel“ war man sich in den unterschiedlichen Stellungnahmen erstaunlich einig (ausgenommen sind lediglich die ĂŒblichen Zahlenstreitereien bezĂŒglich der Beteiligung und gelegentliche Anfeindungen gegnerischer VerbĂ€nde).cite-ref-39[39] WĂ€hrend einer der beobachtenden Polizeibeamten im RĂŒckgriff auf Formulierungen ThĂ€lmanns von „Soldaten der Revolution“ und jenen im Programm zum Reichstreffen wie „Der Rote FrontkĂ€mpfer ist Soldat der Roten Klassenfront“ oder den „Roten FrontkĂ€mpfer-Bataillonen“ von Militarismus sprach, machte der Demonstrationszug selbst auf ihn „einen sehr gut disziplinierten Eindruck“. Er hob besonders die gute „militĂ€rische Haltung und gute gleichmĂ€ĂŸige Adjustierung der Roten FrontkĂ€mpfer aus den Gauen Halle-Magdeburg, Ost- und West-Sachsen, Niedersachsen und ThĂŒringen“ hervor und brachte einen wichtigen Gedanken zu Protokoll:

„Man gewann den Eindruck, daß der RFB tatsĂ€chlich eine militĂ€rische Kampforganisation darstellt und, was vielleicht das wichtigste ist, daß jeder FrontkĂ€mpfer sich als ‚Soldat‘ fĂŒhlt.“cite-ref-stab-40-0[40]

In der Roten Fahne Nr. 116a vom 25. Mai 1926 schrieb Otto Steinicke in seinem Bericht Die Masse marschiert! von einem „MilitĂ€rischen Strom“, der sich nach dem Volkspark in Neukölln bewegte, von der „Fahnen-Kompagnie“, die anmarschierte und von der Parade, die ThĂ€lmann abnahm. An anderer Stelle heißt es: „Im Gleichschritt bewegt sich das ganze Heer vorwĂ€rts, heute marschieren sie auf zur Heerschau der Roten Soldaten“.cite-ref-stab-40-1[40]

Die feierliche Übergabe einer von den Moskauer Gewerkschaften gestifteten Fahne und die Delegationen aus Frankreich, der Tschechoslowakei und Österreichcite-ref-41[41] sollten nicht nur eine „internationale SolidaritĂ€t“ demonstrieren, in Verbindung mit „GlĂŒckwunschadressen“, die laut Polizeibericht „angeblich“ aus Russland ĂŒbersandt worden seien, „so u. a. von Bulhenny und Woroschilow“, wurde ThĂ€lmann auch etwas StaatsmĂ€nnisches verliehen.cite-ref-stab-40-2[40] DarĂŒber hinaus wĂŒrden „Teile der Roten Armee das Cheftum ĂŒber einzelne Gaue des RFB ĂŒbernehmen“ wollen, und Vertreter des RFB sollten zur „Förderung der militĂ€rischen Ausbildung“ nach Moskau abkommandiert werden zwecks Teilnahme an den MilitĂ€rkursen der Sowjetunion.cite-ref-stab-40-3[40]

Der Erfolg und die relativ weit verbreitete Anerkennung nach dem II. Reichstreffen hatten in den FĂŒhrungsgremien eine Siegesstimmung geschaffen, die Folgen hatte. Im September 1926 wurde neben noch grĂ¶ĂŸerer UnflexibilitĂ€t auf der unteren Ebene,cite-ref-42[42] sozusagen als verbale BestĂ€tigung des „FĂŒhrerprinzips“, der Begriff „Leiter“ in „FĂŒhrer“ umgewandelt.cite-ref-43[43] Die hierarchische FunktionĂ€rsstruktur lautete:

GruppenfĂŒhrer, ZugfĂŒhrer, KameradschaftsfĂŒhrer, AbteilungsfĂŒhrer, OrtsgruppenfĂŒhrer, UntergaufĂŒhrer, GaufĂŒhrer und BundesfĂŒhrer.

Mit den – dem Rundschreiben beigefĂŒgten – Entwurf von Richtlinien ĂŒber den Aufbau des RFB u. die Aufgaben der einzelnen Formationen vom 8. September 1926 wurde nach der bereits bestehenden zahlenmĂ€ĂŸigen Festlegung einer Gruppe auf acht Mann und einen GruppenfĂŒhrer nun auch der Zug mit vier Achtergruppen und einem ZugfĂŒhrer detailliert festgelegt. Die Gruppe wurde ausschließlich durch ihren FĂŒhrer definiert. Dessen Rolle wurde mit den Worten beschrieben, er mĂŒsse „jedem Mitglied seiner Gruppe FĂŒhrer, Freund und Berater sein“cite-ref-44[44] (ab 1927 sollte er nur noch FĂŒhrer und Berater, nicht mehr Freund sein). Unterschieden wurde zwischen einem politischen und einem technischen FĂŒhrer. Ersterer hatte die „Gesamtverantwortung fĂŒr die FĂŒhrung der ihm unterstellten Formationen“. Der technische FĂŒhrer hatte dagegen hauptsĂ€chlich fĂŒr die militĂ€rische Ausbildung der Mitglieder (Kommando-Reglement und Wehrsport) und die Durchorganisierung (straffe Disziplin) der Formationen Sorge zu tragen.cite-ref-45[45]

ZusĂ€tzlich bekam die „Disziplin“ einen eigenen Abschnitt, in dem noch einmal ihre Bedeutung fĂŒr den „Charakter“ der Organisation und deren Aufgaben hervorgehoben wurde. Der als „Kadavergehorsam“ bezeichneten militĂ€rischen Disziplin wurde darin die „proletarische“ entgegengestellt, deren Merkmal die „freiwillige Einordnung und Befolgung der Anweisungen beim Antreten und im Marsch“ sei.cite-ref-46[46]

In den bereits im Herbst 1926 von der BundesfĂŒhrung vorgelegten Richtlinien fĂŒr die Sommerarbeit der Roten Jungfront war angeordnet worden, dass im Sommer 1927 weniger AufmĂ€rsche und Rote Tage durchgefĂŒhrt werden sollten, da oft „die Beteiligung an den Treffen zu wĂŒnschen ĂŒbrig“ ließe.cite-ref-47[47] Als Ursache wurde die Einförmigkeit des Programms beim Ablauf der Roten Tage („abends Empfang, morgens Wecken, mittags Platzkonzert, nachmittags Demonstration und dann Abmarsch“) angesehen, zu deren Überwindung einige Änderungen empfohlen wurden. Als „das wesentlichste, was unsere AufmĂ€rsche von denen anderer Organisationen, auch des KJVD, unterscheidet“, wurde an erster Stelle „unser einheitliches straffes Auftreten“ genannt. Dieser Eindruck mĂŒsse durch gleiche Kleidung, gleichen Schritt sowie gutes Einhalten der Gruppen- und ZugabstĂ€nde noch verstĂ€rkt werden. So verĂ€nderte sich der agitatorische Charakter des RFB mit der RĂŒckkehr zur strikten Einheitsfront von unten (beschlossen auf der 4. Reichskonferenz in DĂŒsseldorfer) visuell und organisatorisch. Neben der hĂ€ufigeren Betonung der Disziplin wurde besonders die Ausbildung des RFB als Kampftruppe mit militĂ€rischem Zeremoniell verstĂ€rkt.

„Deshalb ist es gut, wenn vor jedem Aufmarsch ein Appell, vor jedem grösseren Aufmarsch und jeder grösseren Kampagne ein Generalappell angesetzt wird [
] Solche Appelle dĂŒrfen nicht zu einer Spielerei werden, sondern mĂŒssen ein ernstes GeprĂ€ge haben.“cite-ref-48[48]

Besonders in den ersten beiden Phasen der RFB Agitation wurden intensiv Übungen veranstaltet. Ab MĂ€rz 1928 wurde die EinfĂŒhrung einer eigenen Wehrsportgruppe der RJ fĂŒr alle Mitglieder im Alter von 16 bis 28 Jahren beschlossen. Die Wehrsportrichtlinien beinhalteten „OrdnungsĂŒbungen, GepĂ€ckmĂ€rsche, Stafetten aller Art, Meldedienst, Kartenlesen, Kompasskunde, Wetterkunde, GelĂ€ndekunde ĂŒberhaupt, Gesundheitsdienst (Erste Hilfe bei UnglĂŒcksfĂ€llen) usw.“ Das Schießen war offiziell nicht im Plan der ReichsfĂŒhrung aufgefĂŒhrt, um die LegalitĂ€t der Organisation nicht zu gefĂ€hrden. Dazu kamen militĂ€rische Planspiele des RFB, die zunehmend regelrechte Kriegsstrategien einĂŒbten (z. B. rote gegen weiße Truppen).

Die „Einheitsfront von unten“ bekam zunehmend einen militĂ€risch-strategischen Sinn. Kurt Finker schildert die Situation vergleichbarer KampfverbĂ€nde im europĂ€ischen Ausland.cite-ref-49[49] Danach bestand in Frankreich eine Republikanische Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer ARAC, die bereits am 26. Mai 1926 von Fritz Selbmann als erstem offiziellen Vertreter des RFB besucht worden war, und in der Tschechoslowakei fungierten uniformierte Ordnerwehren im Dienste der KP. Nach dem III. Reichstreffen nahmen die auslĂ€ndischen Vertreter am 6. Juni 1926 an einer Konferenz der BundesfĂŒhrung in Berlin teil, auf der ThĂ€lmann die GrĂŒndung einer „proletarischen Wehrinternationale“ vorschlug. Zum Ende des Jahres wurde im Herbst in der Schweiz eine Arbeiterschutzwehr, in England eine RevolutionĂ€re Liga der ehemaligen Soldaten und FrontkĂ€mpfer, im Dezember in Wien ein Roter FrontkĂ€mpferbund Österreichs gegrĂŒndet.

Die „proletarische Wehrinternationale“ wurde in dem ĂŒberdimensionalen Werbeheft „5 Jahre R.F.B.“ mit Grußadressen, Bildern der „Internationalen Roten Front“ ausfĂŒhrlichst gewĂŒrdigt.cite-ref-50[50] Der Bund, dessen Aufgabe in § 3 seiner Satzung u. a. lautete „Kriegserinnerungen zum Zwecke der Abwehr nationalistisch-militĂ€rischer Propaganda fĂŒr neue imperialistische Kriege“cite-ref-51[51] zu pflegen, formulierte die schon fragwĂŒrdige „Antikriegs“-Formel „Krieg dem Kriege“ um in „BĂŒrgerkrieg dem imperialistischen Krieg“.cite-ref-52[52] Russland bzw. die Sowjetunion wurde zum „Vaterland der WerktĂ€tigen“ stilisiert und die Roten FrontkĂ€mpfer sollten zum Kampf fĂŒr ein „Sowjetdeutschland“ bereits sein.

Verbot und Nachfolgeorganisationen

Die Umwandlung oder besser RĂŒckbesinnung des RFB zur reinen Wehrorganisation brachte eine aggressivere Haltung im Kampf um die Straße nicht nur der Parteipresse, sondern auch der Mitglieder mit sich. Die sich anbahnende Eskalation war unvermeidlich. Mit der repressiver werdenden Politik des Staates war die Zunahme von gewalttĂ€tigen Konfrontationen und Verboten vorbestimmt. Nachdem die Agitationskultur des RFB im Jahr 1928 bereits stark zurĂŒckgefahren worden war, fand eine Fortsetzung einer nach außen gehenden Werbung 1929 nur noch eingeschrĂ€nkt statt. Schon die LLL-Feiern, die vom 15. bis 29. Januar in Hamburg durchgefĂŒhrt wurden, waren mehrheitlich von der KPD selber organisiert worden.

Mit einem Erlass des OberprĂ€sidenten der Provinz Schleswig-Holstein vom 9. MĂ€rz 1929 wurden „jegliche UmzĂŒge“ verboten.cite-ref-53[53]

Nachdem die HVZ im Februar die FĂŒhrertagung des RFB noch als „Rote Mobilmachung zum Internationalen Treffen“ bezeichnet hatte, ließen die letzten Meldungen der Zeitung im April ĂŒber Verhaftungen von RFB-Mitgliedern die Verantwortlichen zur „erhöhten Alarmbereitschaft“ mahnen.cite-ref-54[54]

Auch die Werbeaktionen fĂŒr den RFB, die unter den neuen Bedingungen zwischen erhöhter Konfrontationsbereitschaft und trotzigem Behauptungswillen bzw. rein demonstrativer Darstellung der Existenz standen, trugen deutliche Anzeichen einer bevorstehenden Kraftprobe in sich. Der Anspruch, einerseits die Straße zu beherrschen und andererseits als friedfertig zu erscheinen, macht die widersprĂŒchliche Haltung der RFB-Aktivisten deutlich und zeigt die AbsurditĂ€t zwischen Konfrontation und einer WeiterfĂŒhrung des LegalitĂ€tskurses.

Unter dem Eindruck des Blutmais in Berlin verfĂŒgte am 3. Mai 1929 der Minister des Innern in der Regierung MĂŒller, Carl Severing (II 1420v; Berlin), das Verbot von RFB, RJ und Roter Marine mit Wirkung zum 6. Mai 1929 „gemĂ€ss dem Gesetze zum Schutze der Republik, des Gesetzes vom 22. MĂ€rz 1921 (Reichsgebl. S. 235) und des Reichsvereinsgesetzes fĂŒr den Bereich des Freistaates Preußen“.cite-ref-55[55]

Der RFB wurde spĂ€testens zum Ende des Jahres 1929 agitatorisch bedeutungslos. Seine Mitglieder – soweit sie nicht in andere VerbĂ€nde wechselten – nahmen an den Aktionen der ĂŒbrigen kommunistischen Gruppierungen teil. Dazu zĂ€hlte auch der RFMB, der als eigenstĂ€ndige Organisation nicht unter das Verbot gefallen war.

Die letzte große „FĂŒhrerkonferenz des verbotenen RFB“, richteten die Gaue Wasserkante und Mecklenburg zusammen mit den StĂ€dten Bremen und Hannover am 16. Februar 1930 in LĂŒbeck aus. Dort stellte man unbeirrt die „sich verschĂ€rfenden kapitalistischen Krisen“ der „DurchfĂŒhrung des FĂŒnfjahresplanes in der Sowjetunion“ gegenĂŒber.cite-ref-56[56]

Die wenigen Demonstrationen gegen das RFB-Verbot, die ab 1930 organisiert wurden, nahmen sich darĂŒber hinaus Ă€ußerst bescheiden aus. Lediglich in Hamburg fand am 23. April 1930 eine derartige Veranstaltung bei Sagebiel statt.cite-ref-57[57] Eine Demonstration in Berlin anlĂ€sslich des „Ein Jahr RFB-Verbot“ fĂŒhrte zum Verbot des Berliner Kampfkomitees.cite-ref-58[58]

RFB-Nachfolgeorganisationen

Nach dem Verbot des RFB gab es unterschiedliche Reaktionen der Mitglieder. Ein harter, nicht sehr großer Kern der Roten FrontkĂ€mpfer arbeitete illegal weiter und unternahm demonstrative Aktionen, um den RFB in Erscheinung zu bringen (z. B. Altonaer oder Geesthachter „Blutsonntag“). Eine grĂ¶ĂŸere Zahl der FrontkĂ€mpfer beteiligte sich an meist regionalen NeugrĂŒndungsversuchen. Außerdem wechselten einzelne, teilweise ganze Musikkapellen zur nationalsozialistischen SA.

Eine erste RFB-Nachfolgeorganisation trat bereits am 19. Mai 1929 anlĂ€sslich eines Parteitreffens der Kieler KPD in Erscheinung. Eine Schalmeien-Kapelle mit neu eingekleideten Musikern in blauen Hosen, weißen Sporthemden mit rotem Schlips und blauen SchirmmĂŒtzen, auf denen neben Anker und Sowjetstern dort die AbkĂŒrzung RMVRK prangte, die fĂŒr Roter Marine-Verein Reichpietsch-Köbes stand und eine Neuformierung der Roten Marine darstellte. Im Demonstrationszug wurden zwei Transparente mit der Aufschrift „Rot Front – Trotz alledem“ und „Nieder mit der Koalitionsregierung des Sozialfaschisten MĂŒller“ hochgehalten.

Bei den regelmĂ€ĂŸigen ZusammenkĂŒnften „in den bisherigen Verkehrslokalen des verbotenen RFB“ in Altona entstand als Nachfolgeorganisation im Juni der Wanderverein BrĂŒder zur Sonne, aus dem sich ca. Mitte Juli 1929 der Norddeutsche Arbeiterschutzbund (NASB) entwickelte. In Kiel erhielt der RFB den Namen Wanderklub Deutsche Eiche, der im Juli 1929 zusammen mit dem Arbeiter-Schutzbund (ASB) eine Versammlung durchfĂŒhrte. Ortsgruppen des NASB, der zu diesem Zeitpunkt teilweise nur ASB genannt wurde, gab es – trotz der Androhung, auch die Nachfolgeorganisationen aufzulösen – auch in Heide und Itzehoe. In Flensburg traten die ehemaligen RFB-Mitglieder geschlossen in den ASB ein, und die Bezirksleitung Wasserkante der KPD rief zur GrĂŒndung von Ortsgruppen auf. Die RJ wurde in der Antifaschistischen Jungen Garde fortgefĂŒhrt.

Die nach UnabhĂ€ngigkeit strebenden Gruppen gingen gern wieder in ihre regionale Ecke und gaben sich hĂ€ufig wie der RMVRK zusĂ€tzliche Namen. Da gab es z. B. die „Gruppe Liebknecht“, einen Arbeiterschutzbund „Freiheit“, eine „Sturmbrigade Budjonny“ oder eine „Kampfinternationale der Seeleute und Hafenarbeiter“. Als weitere Nachfolgeorganisation der Roten Marine gab sich der Internationale Seemannsklub unter der zusĂ€tzlichen Bezeichnung Internationale Seeleute und die Rote Hochseewache zu erkennen.

WĂ€hrend RFB und KPD in der Frage einer NeugrĂŒndung offensichtlich nicht zu einem Resultat kamen, gab der preußische Innenminister am 31. August 1929 u. a. bekannt, dass, „sobald begrĂŒndeter Anlaß zu der Annahme ungesetzlicher Fortsetzung des aufgelösten RFB. vorliegt“, die Polizei dies „mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln“ unterbinden wĂŒrde.

Am 18. Oktober 1929 wurde somit beispielsweise der RevolutionĂ€re Seemannsbund in Stettin aufgelöst und am 9. November 1929 wurden von den Behörden in Hamburg, Altona und Harburg Strafverfahren wegen des „Verdachts des illegalen Fortbestehens des aufgelösten R.F.B., der Roten Marine und der Roten Jungfront, u.z. fĂŒr den Bezirk Altona-Hamburg-Harburg und die benachbarten Landkreise unter den neuen Bezeichnungen: Norddeutscher Arbeiterschutzbund, Rote Hochseewacht und Antifaschistische Junge Garde“ gestellt.

Außer den ebenfalls entstandenen Erwerbslosen-Initiativen, die sich anscheinend ebenfalls aus ehemaligen RotfrontkĂ€mpfern rekrutiert haben (die HVZ v. 13. Februar 1930 meldete sogar die GrĂŒndung einer Erwerbslosenwehr in Charlottenburg), tauchten plötzlich Musikkapellen mit unverfĂ€nglich klingenden Namen auf, die – zumindest ab 1929 eventuell auch noch ab 1930 – Fortsetzungen von vergleichbaren RFB-Formationen darstellen dĂŒrften. Sie gelten fĂŒr viele bis heute als die wichtigsten Bewahrer der RFB-Tradition.

Eine ebenfalls kurze Existenz fĂŒhrte der Kampfbund gegen den Faschismus, dessen geplante Institutionalisierung neben einem Bericht ĂŒber die GrĂŒndung der Kampfinternationale der Seeleute am 3. Oktober 1930 auf der Titelseite der HVZ werbewirksam in Szene gesetzt wurde. Seitdem tauchte der Kampfbund wiederholt in den Schlagzeilen der HVZ als Organisator von Demonstrationen auf. Ein auf den 10. Oktober datiertes Statut regelte in neun Paragraphen das Leben des Bundes, dessen wichtigstes Ziel es war „alle antifaschistischen KrĂ€fte organisatorisch zu einer breiten antifaschistischen Massenbewegung zusammenzufassen, die Mitglieder fĂŒr den Kampf gegen den Faschismus zu schulen und den Kampf mit den geeigneten politischen und organisatorischen Mitteln zu fĂŒhren“.

Die Mitglieder, die sowohl Einzelpersonen wie auch „kollektiv“ angeschlossene Vereine oder Organisationen sein konnten, hatten als prĂ€gnanteste Auflage. „die proletarische KlassensolidaritĂ€t“ zu wahren und konnten neben „groben Verstössen gegen die Satzungen des Bundes“ und „bei BeitragsrĂŒckstand von mehr als drei Monaten“ insbesondere bei Verletzung oben genannter SolidaritĂ€t und „wiederholten groben Verstössen gegen die proletarische Moral“ ausgeschlossen werden. Der Bund setzte sich aus BezirksverbĂ€nden, Ortsgruppen, Abteilungen und Staffeln zusammen. Letztere sollten sich „in Gruppen von je 8 Mitgliedern“ aufteilen. Den an erster Stelle genannten „Betriebswehren“ folgten – der Zeit entsprechend – die Erwerbslosen- sowie die Erwachsenen- und Jugendstaffeln (§ 3, d 1–4). Eine Reichskonferenz als höchste Instanz sollte die Reichsleitung, deren Sitz Berlin war, wĂ€hlen und ĂŒber „alle Angelegenheiten des Bundes mit einfacher Stimmenmehrheit“ entscheiden (§ 4, 1a/b). Der Hierarchie folgten entsprechend Bezirksverbandskonferenz und -leitung (§ 4, 2 a/b) sowie Bezirkskonferenz und -leitung (§ 4, 2 a/b). Der GruppenfĂŒhrung, die sich lediglich „aus dem FĂŒhrer und dem Kassierer“ zusammensetzte, stand, obwohl sie das öffentliche Leben agitatorisch bestimmen sollte, ein „Beschlußrecht“ nicht zu (§ 4, 3–5). „Revisionskommissionen“ sollten auf jeder Ebene des Bundes das „Finanzgebaren“ ĂŒberprĂŒfen (§ 4, 6).

Seit Juni 1931 zeigte einerseits das Auftreten einer Jungen Garde, dass dem Kampfbund eine Jugendorganisation zugeordnet wurde, und andererseits, dass er unter der HVZ-Rubrik Massenorganisationen gefĂŒhrt, eine Untergliederung in Bezirke erfahren hatte. Dort wurde zu Wimpelweihen eingeladen. Bereits im folgenden Jahr (1932) wurden kaum noch Veranstaltungen erwĂ€hnt.

Bedingt ernstzunehmende FortfĂŒhrungen einer Agitationskultur, die der des RFB vergleichbar wĂ€re, sind lediglich fĂŒr den NASB und den Kampfbund gegen den Faschismus nachweisbar.

Übertragung der militĂ€rischen Ausdrucksformen

Neben den zum Standard gewordenen militĂ€rischen Ausdrucksformen des RFB (Uniformierung, Aufmarsch usw.), die im Wesentlichen nicht nur auf dessen Nachfolgeorganisationen, sondern auch auf die meisten anderen im Umfeld der KPD agierenden Gruppierungen ĂŒbergegangen waren, blieb einerseits die Sprache militaristisch und wurde andererseits der Generalappell beibehalten. 1929 fand er hauptsĂ€chlich in Verbindung mit den Feiern zum 11. Jahrestag der Roten Armee statt, die vom 21. bis 22. Februar begangen wurden. Die im Zeichen dieses (ungeraden) JubilĂ€ums am 24. des Monats in LĂŒbeck durchgefĂŒhrte FĂŒhrertagung wurde nicht nur von einem Wehrsporttreffen der RJ, sondern zusĂ€tzlich von einem besonderen „FĂŒhrergeneralappell des RFB, Gau Wasserkante“ begleitet. DarĂŒber hinaus wurde ein „Appell des Roten FrontkĂ€mpferbundes der Wasserkante“ an „die Arbeiterschaft der ganzen Welt“ gesandt, das „Internationale Treffen“ – so wurde nun das Reichstreffen bezeichnet – zu einem gewaltigen „Kampfaufmarsch des internationalen Proletariats gegen den imperialistischen Krieg“ zu machen (s. Abb. 24). Der Begriff „Rote Mobilmachung“, so auf einer der Titelseiten der HVZ, fand bis 1932 – jĂ€hrlich wiederkehrend – Verwendung (29. Februar 1932, 4. MĂ€rz 1932 sogar „Generalmobilmachung“).

Der Generalappell, der am 20. MĂ€rz im Rahmen des „MĂ€rzaufgebots“ u. a. auch von der Roten Marine durchgefĂŒhrt worden war, wurde bis 1933 hauptsĂ€chlich fĂŒr diese besondere Aktion benutzt, die man ursprĂŒnglich fĂŒr die RJ eingefĂŒhrt hatte. Gelegentlich hatte er jedoch auch allgemeineren Charakter, wie am 16. April 1932, als der Aufruf zur Haus- und Hofpropaganda mit der Überschrift „Morgen heraus zum General-Appell im Bezirk Wasserkante“ eingeleitet wurde (HVZ v. 16. April 1932). Am 16. Dezember 1929 wurde er von einer ganzen Reihe von Organisationen ĂŒbernommen. AngekĂŒndigt waren neben dem NASB u. a. auch KJVD, JSB, RFMB, RH, IBdK, Freidenker sowie Sportorganisationen (HVZ v. 13. Dezember 1929).

Von Hungerdemonstrationen zur Erwerbslosenwehr

Ein weiteres BetĂ€tigungsfeld ehemaliger Roter FrontkĂ€mpfer waren Erwerbsloseninitiativen. Partei und Bund hatten bereits 1927 sporadisch Erwerbslosen-Agitationen betrieben. Besonders zu Weihnachten stellte die Polizei fest, dass „augenblicklich stark agitiert“ wĂŒrde, es herrsche u. a. Unzufriedenheit darĂŒber, dass „die gezahlte Weihnachtsbeihilfe ungenĂŒgend gewesen“ sei. Am 27. MĂ€rz 1928 wurde ein erster „Erwerbslosentag“ begangen. Nach Demonstrationen im Januar 1929 wurde am 3. MĂ€rz eine Bezirkserwerbslosenkonferenz im Valentinskamp 42 in Hamburg abgehalten. Die vier Tage spĂ€ter erfolgte Hungerdemonstration der Erwerbslosen blieb aber fĂŒr rund neun Monate die letzte Aktion dieser Art.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 und mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit wuchs auch die politische Bedeutung der Erwerbslosen. Im Dezember bekamen die „HungermĂ€rsche“ zusammen mit den Winterhilfs-Aktionen der Roten Hilfe eine neue QualitĂ€t – zumal ihr Beginn um die Weihnachtszeit platziert wurde. Neben Berlin und Frankfurt meldete auch Wandsbek am 20. Dezember „MassenaufmĂ€rsche gegen den Hunger“. Am Heiligen Abend folgten erneut Berlin sowie Köln, und am 28. des Monats hieß es in der Hamburger Volkszeitung (HVZ) gar: „Im ganzen Reich Hungerdemonstrationen“.

Bereits am 13. Februar 1930 wurde die GrĂŒndung einer Erwerbslosenwehr in Charlottenburg gemeldet (HVZ vom 13. Februar, S. 2), und am 20. des gleichen Monats wurden Aktionen der Polizei gegen die Erwerbslosendemonstrationen nicht nur als Provokation gegen diese, sondern gleichzeitig gegen die UdSSR bezeichnet (HVZ vom 20. Februar) – der Zusammenhang zum 12. Jahrestag der Roten Armee ist unĂŒbersehbar.

Nachdem FrĂŒhjahr und Sommer von der Erwerbslosenproblematik – zumindest in propagandistischer Hinsicht – relativ frei gewesen waren, kam kurz vor einem weiteren „Erwerbslosentag“ am 10. September die Thematik – in Verbindung mit den Wahlarbeiten – erneut in die Schlagzeilen. „Nicht weniger als 5 Stunden lang marschierten“ laut HVZ die „nichtendenwollenden Reihen der hungernden Kolonnen“ unter „der Fahne der RGO“ (RevolutionĂ€re Gewerkschafts-Opposition), die sich der Problematik besonders angenommen hatte.

„Aus den einzelnen Stadtteilen kommend, durchzogen die Erwerbslosen die Viertel der Mietskasernen und vereinigten sich auf dem LĂŒbecker-Tor-Feld. Über eine halbe Stunde wĂ€hrte es, ehe die letzten Demonstranten den Platz verlassen konnten. Über St. Georg gelangte man nach Hammerbrook, einem typischen Reichsbannerviertel. An den Balkonen hĂ€ngen SPD-Transparente, denen die der Liste 4 etwas schwĂ€cher entgegenstehen. Im Sprechchor, mit den Fingern auf die verlogenen Versprechungen, die auf den SPD-Transparenten verkĂŒndet werden, zeigend, ertönt aus dem Munde der Marschierenden: ‚Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten! Wer macht uns frei? Die Kommunistische Partei!‘ Andere Gruppen rufen: ‚Tod den Faschisten! WĂ€hlt Kommunisten, Liste 4!‘ In unzĂ€hligen Karikaturen steckte mehr proletarische Sprache als man erklĂ€ren kann. Die Arbeiter der Innenstadt hatten die arbeiterfeindlichen Parteien der Reihe nach aufmarschieren lassen: Liste 1, darstellend einen Galgen, der fundamentiert ist mit dem Zörgiebelschen Kommissstiefel, Liste 5, einem Kapitalisten, aus dessen Zylinder ein Schornstein herausragt und der Profite einheimst; Liste 9, den weißen Terror usw. Andere Gruppen fĂŒhrten Transparente in großer Blockschrift mit: WĂ€hlt KPD, Liste 4! Ihnen folgten Propagandawagen. Einer dieser fĂ€hrt die bĂŒrgerliche Presse auf, an denen die Fliegen hĂ€ngen geblieben sind wie an einem FliegenfĂ€nger. Darunter steht: ‚Wollt ihr nicht auf den Leim gehen, wie diese Fliegen, dann lest die Hamburger Volkszeitung!‘“

Am 31. August galt der Kampf der KPD der „Hungerdiktatur“, und am Tag nach dem besonderen Aktionstag der Arbeitslosen waren es die „Hungerbataillone“, die marschierten (HVZ vom 11. September). Die „Hunger-Weihnachten 1931“ (HVZ vom 5. Dezember) wurden außer in der rein politischen Propaganda („Statt Bettelsuppen – Kampf fĂŒr Arbeit und Brot!“) von kulturellen Veranstaltungen mit SolidaritĂ€tsbekundungen bestimmt. Hungerdemonstrationen setzten sich noch bis 1932 fort.

Der RFB im spanischen BĂŒrgerkrieg und als Vorbild fĂŒr die bewaffneten DDR-Organe

Viele Rote FrontkĂ€mpfer folgten „dem Ruf der Partei und kĂ€mpfen in den Reihen der Internationalen Brigaden“ (Finker) gegen Franco ebenso wie gegen Anarchisten. In der „Centuria ThĂ€lmann“ kĂ€mpften Personen wie Richard Staimer aus NĂŒrnberg, Albert Schreiner aus Berlin und der Hamburger RFB-Mann Wilhelm Fellendorf. Einige kĂ€mpften wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges an der Seite der Roten Armee.

Nach dem Ende des Krieges waren Finker zufolge viele „Aktivisten der ersten Stunde“ bereit, „die Voraussetzungen fĂŒr die sozialistische Revolution zu schaffen“. Es muss noch nĂ€her erforscht werden, welche Positionen z. B. der Volkspolizei (ab 1945), der Kasernierten Volkspolizei (ab 1948), den „Wehrsportgemeinschaften“ der FDJ in den Jahren 1950/51 der „Gesellschaft fĂŒr Sport und Technik“ (GST) oder spĂ€ter der Nationalen Volksarmee (NVA) die ehemaligen Roten FrontkĂ€mpfer besetzten. Bekannt ist die Position Erich Honeckers und Erich Mielkes, die – wie viele fĂŒhrende Mitglieder der SED – wĂ€hrend der Weimarer Republik im RFB oder in der RJ gewesen waren.

Gruß

Die Grußform des RotfrontkĂ€mpferbundes war ein gesprochenes „Rotfront“, wobei der GrĂŒĂŸende seinen rechten Unterarm ruckartig (zackig) bis auf Kopfhöhe anhob und mit seiner Hand eine geballte Faust formte, bei der der HandrĂŒcken vom Betrachter abgewandt, sprich nach hinten gerichtet, war.

Die angehobene und geschlossene Faust symbolisierte die „geballte Kraft der Arbeiterklasse“ und assoziiert daher auch StĂ€rke und WiderstandsfĂ€higkeit.

In Russland

„Rot Front“ ist auch der Name einer Moskauer SĂŒĂŸwarenfabrik. Das 1826 gegrĂŒndete und Ă€lteste Unternehmen seiner Art in Russland wurde nach einem Besuch von Ernst ThĂ€lmann in der Sowjetunion im Jahre 1931 zu Ehren des RFB umbenannt.cite-ref-59[59]

Literatur

‱ Werner Hinze, Bluttage. Ein Beitrag zur „Wahrheitsfindung“ oder: Vom „Hamburg-Aufstand“ der KPD zum „Altonaer Blutsonntag“. Eine BĂŒrgerkriegsstrategie, Hamburg 2013. ISBN 978-3-936743-11-1.
‱ Kurt Finker: Geschichte des Roten FrontkĂ€mpferbundes. Dietz, Berlin (Ost) 1981.
‱ Werner Hinze: SchalmeienklĂ€nge im Fackelschein. Ein Beitrag zur Kriegskultur der Zwischenkriegszeit. (Tonsplitter, Archiv fĂŒr Musik und Sozialgeschichte, Bd. 1). Tonsplitter, Hamburg 2002, ISBN 3-936743-00-2. (Zugleich: Bremen, Univ., Diss., 2002)
‱ Werner Hinze: Die Schalmei. Vom Kaisersignal zum Marschlied von KPD und NSDAP. (Schriften des Fritz-HĂŒser-Instituts fĂŒr deutsche und auslĂ€ndische Arbeiterliteratur der Stadt Dortmund Reihe 2: Forschungen zur Arbeiterliteratur, Bd. 13). Klartext, Essen 2003, ISBN 3-89861-113-2. (Zugleich: Bremen, Univ., Diss., Teil 2)
‱ Kurt G. P. Schuster: Der rote FrontkĂ€mpferbund 1924–1929. BeitrĂ€ge zur Geschichte und Organisationsstruktur eines politischen Kampfbundes. (BeitrĂ€ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 55). Droste, DĂŒsseldorf 1975, ISBN 3-7700-5083-5. (Zugleich: Göttingen, Univ., Diss.)
‱ Carsten Voigt: KampfbĂŒnde der Arbeiterbewegung. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der Rote FrontkĂ€mpferbund in Sachsen 1924–1933. (Geschichte und Politik in Sachsen, Bd. 26). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2009, ISBN 978-3-412-20449-5.
‱ Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. 2 BĂ€nde. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1969.

Weblinks

Commons

: Roter FrontkÀmpferbund

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Klaus-Peter Merta, Burkhard Asmuss: „Der Rote FrontkĂ€mpferbund“ auf LeMO
‱ Friedbert MĂŒhldorfer: Roter FrontkĂ€mpferbund, 1924–1929. In: Historisches Lexikon Bayerns.
‱ Am 31. Mai 1924 beschloss die KPD-Zentrale die GrĂŒndung des Roten FrontkĂ€mpferbundes
‱ Vitrine in der ThĂ€lmann-GedenkstĂ€tte Roter FrontkĂ€mpferbund (RFB)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Deutsches Historisches Museum - Lebendiges Museum Online: Der Rote FrontkĂ€mpferbund, aufgerufen am 1. Februar 2023.
cite-note-22. ↑ Deutsches Historisches Museum - Lebendiges Museum Online: Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, aufgerufen am 3. Februar 2023.
cite-note-33. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 66f.
cite-note-44. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 66f.
cite-note-schuster20-55. ↑ Bundesarchiv Koblenz, Akten der Reichskanzlei, R 43 I Fasz. 2671 B. 68, Die Lehren der deutschen Ereignisse. Das PrĂ€sidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale zur deutschen Frage, Januar 1924, Hamburg (1924), hier nach Schuster, S. 20.
cite-note-66. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 70 verweist auf StaHB 4,65-1286/8, Bl. 112f., als Abschr. zu Pol.B v. 13.12.1924.
cite-note-77. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 70 verweist auf StaHB 4,65-1286/8, Bl. 112f., als Abschr. zu Pol.B v. 13.12.1924; Lt. Schuster, S. 28 abgedruckt in AZ Nr. 45 v. 22.9.1924. Ders. berichtet, daß Ă€hnliche Schreiben spĂ€ter auch zwischen lokalen Stellen gewechselt und publiziert wurden, z. B. in der AZ Nr. 77 v. 29.10.1924.
cite-note-88. ↑ Burkhard Asmuss: Der Rote FrontkĂ€mpferbund. In: LeMO. Abgerufen am 5. Mai 2024.
cite-note-99. ↑ Joachim Mohr, Frank Patalong, Eva-Maria Schnurr (Hrsg.): Deutschland in den Goldenen Zwanzigern, SPIEGEL Buchverlag, Hamburg, 2021.
cite-note-1010. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 71f. verweist auf SFAPMO FBS 310/13141, I 4/2/1, Bl. 10-14, Titelseite (Bl. 10) mit 2 Marken versehen; Finker, S. 18f., der sich offenbar auf diesen Bericht stĂŒtzt, spricht dagegen von 121 Ortsgruppen, die sich auf neun Gaue verteilen: Halle-Merseburg (71), ThĂŒringen (20), Berlin-Brandenburg (2), Lausitz (6), Ostpreußen (7), Ostsachsen (Dresden) (1), Erzgebirge-Vogtland (6), Niedersachsen (5), Baden (3). Als Quelle gibt Finker an: IML,ZPA,81/1/1042. Da die Akten neu gekennzeichnet wurden, konnte der Autor den konkreten Nachweis der QuellenĂŒberschneidung nicht fĂŒhren. Zur Darstellung der Anfangsphase der einzelnen Bezirke s. Schuster, S. 34ff.
cite-note-1111. ↑ Ulbricht, W., Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 4, S. 39 (hier nach Schuster, S. 30; DĂŒnow, S. 25; Schuster, S. 29 verweist auf Lohse, S. 17 u. 51; Finker, S. 16). Siehe auch Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 73.
cite-note-1212. ↑ Z.B. in Bayern und im Ruhrgebiet, vgl. Finker, S. 20 und Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 73.
cite-note-1313. ↑ Schuster, S. 31 verweist auf StaHB 4,65-1245, RKo. I.Nr. 107 v. 11.10.1924, Bl. 16 und StaHB 4,65-1243, Bl. 23f., RKo. I.Nr. 113 v. 15.9.1925.
cite-note-1414. ↑ 287 Schuster, S. 31. Lt. Schuster, S. 32 verschwand der OD „jedoch nie gĂ€nzlich aus dem Blickfeld der mit der militĂ€rischen Organisation betrauten FĂŒhrer“. Im Sommer 1927 wurde dessen Wiederbelebung erwogen, als ein Verbot des RFB offen diskutiert wurde. Schuster verweist auf StaHB 4,65-1243 Bl. 35, Lagebericht d. Pol.PrĂ€s IA Berlin v. Juli 1927.
cite-note-1515. ↑ Spartakusbriefe, S. 315, Spartakus Nr. 4 v. April 1917, hier nach Schuster, S. 48.
cite-note-1616. ↑ Schuster, S. 72.
cite-note-1717. ↑ Schuster, S. 73.
cite-note-1818. ↑ Bremer Volkszeitung Nr. 74 vom 28. MĂ€rz 1925. Vgl. auch Staatsarchiv Bremen 4,65-1287/13, Bl. 12a-gR, N.-Stelle Nr. 1646/25 Pol.ZF v. 23. Juni 1925.
cite-note-1919. ↑ BL-Rundschr. Nr. 12/26, vom 9. April 1926.
cite-note-2020. ↑ Programm zum 2. Reichstreffen vom 23./24. Mai 1926, S. 35.
cite-note-2121. ↑ Vgl. Finker, S. 138.
cite-note-2222. ↑ Mitgliedsbuch 1927 (LAS 309-22666/3).
cite-note-2323. ↑ SAPMO FBS 310/13142, I 4/2/7, Bl. 35.)
cite-note-2424. ↑ LAS 301-4548/14, RKo Nr. 4707/27 II, Berlin, 2. Juni 1927.
cite-note-2525. ↑ Richtl. f.d. Sommerarbeit der RJ 1927; Finker, S. 142 unterschlĂ€gt diese positiv dargestellten militĂ€rischen Attribute.
cite-note-2626. ↑ Richtl. f.d. Sommerarbeit der RJ 1927, S. 1.
cite-note-2727. ↑ BF-Rundschr. 5/27 v. 18. Februar 1927, S. 4f.
cite-note-2828. ↑ Vgl. Werner Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 116ff.
cite-note-2929. ↑ LAS 301-4548/15 u. 309-22703/20, Pol.B v. 11. Dezember 1927. Es referierte im Flensburger Gewerkschaftshaus unter Vorsitz des örtlichen KPD-Leiters Schierdewahn vor 16 bzw. spĂ€ter 23 Personen der UntergaufĂŒhrer Bartels aus Kiel.
cite-note-3030. ↑ LAS 301-4548/1, Tbg.Nr. II G. 7/28, Pol.B, Flensburg, 13. Februar 1928. Über eine Konkretisie-rung der verĂ€nderten RFB-Politik fĂŒr 1928 berichtete Wohlmeier am 2. Februar auf einer Funkti-onssitzung [sic!] im Flensburger Gewerkschaftshaus.
cite-note-3131. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 130.
cite-note-3232. ↑ Hinze, SchalmeienklĂ€nge, S. 131f.
cite-note-3333. ↑ Arbeitsplan zum MĂ€rzaufgebot der RJ 1928, S. 5.
cite-note-3434. ↑ Bericht an das ZK der KPD ĂŒber das Mitteldeutsche Treffen v. 23. August 1928, S. 3.
cite-note-3535. ↑ SAPMO, IML Si 82c/236.
cite-note-3636. ↑ Zit. nach Schuster, S. 95.
cite-note-3737. ↑ FĂŒr Finker, S. 43 war zu diesem Zeitpunkt die Periode der Herausbildung und Konsolidierung des RFB abgeschlossen.
cite-note-3838. ↑ Programm zum 2. Reichstreffen, Mai 1926, S. 19.
cite-note-3939. ↑ Bremer Volkszeitung nach AZ (Bremen) Nr. 119 v. 26. Mai 1926 (Staatsarchiv Bremen 4,65-1247/3, Bl. 126).
cite-note-stab-4040. ↑ Staatsarchiv Bremen 4,65-1247/5, Bl. 146-147, N.-Stelle 1806/26geh., Pol.B Nr.118 v. 9. Juni 1926.
cite-note-4141. ↑ Finker, S. 93.
cite-note-4242. ↑ Vgl. Schuster, S. 97.
cite-note-4343. ↑ BL-Rundschr. v. 8. September 1926.
cite-note-4444. ↑ BL-Rundschr. v. 8. September 1926.
cite-note-4545. ↑ Die Abteilung des politischen und technischen FĂŒhrers in: Der Rote FĂŒhrer, FunktionĂ€rszeitung des RFB und der RJ, 2. Jg. Nr. 10, Oktober 1928, S. 204ff. Vgl. auch Schuster, S. 101.
cite-note-4646. ↑ Richtlinien fĂŒr die Sommerarbeit der RJ 1927.
cite-note-4747. ↑ LAS 301-4548/14, RKo Nr. 4707/27 II, Berlin, 2. Juni 1927.
cite-note-4848. ↑ Richtl. f.d. Sommerarbeit der RJ 1927; Finker, S. 142 unterschlĂ€gt diese positiv dargestellten militĂ€rischen Attribute.
cite-note-4949. ↑ Finker, S. 139f.
cite-note-5050. ↑ Siehe Werner Hinze: SchalmeienklĂ€nge im Fackelschein, Hamburg 2002, S. 148ff.
cite-note-5151. ↑ LAS 301-4546/1
cite-note-5252. ↑ Hinze: SchalmeienklĂ€nge S. 130ff. verweist u. a. auf BF-Rundschr. Abt. RJ vom 11. Juli 1928: 'Antimilitaristische Woche der RJ vom 4.- 12. August 1928'.
cite-note-5353. ↑ LAS 301-4549/5, Pol.B Voß, NeumĂŒnster, 16. MĂ€rz 1929; LAS 301-4549/2, Nr. IPP 270-6, Pol.B Grimpe v. 23. MĂ€rz 1929 erwĂ€hnt ebenfalls ein vom OberprĂ€sidenten der Provinz Schleswig-Holstein in Kiel ausgesprochenes Umzugsverbot.
cite-note-5454. ↑ HVZ v. 27. Februar und 29. April 1929.
cite-note-5555. ↑ LAS 301-4548/A1, LAS 301-4549/21, Anzeige gegen Karl Rokohl v. 24. Oktober 1929.
cite-note-5656. ↑ HVZ v. 16. und 18. Februar 1930.
cite-note-5757. ↑ HVZ v. 22. April 1930.
cite-note-5858. ↑ HVZ v. 14. Mai 1930.
cite-note-5959. ↑ Zauberhafte SĂŒĂŸigkeiten (zur 180-Jahr-Feier der Ă€ltesten SĂŒĂŸwarenfabrik Russlands „Rot Front“). In: Stimme Russlands. 1. November 2006, archiviert vom Original; abgerufen am 3. August 2014.